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Dr. Bekheet

 

Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht mit orientalischem Büfett

Samstag, 28.05.2016

 

 

 Geschichten von Dr. Bekheet

Der Tierarzt und die Menschen

 

ISBN: 3-00-009127-0

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Wer ist das Schwein? (Teil I)

Am Freitagnachmittag werden ein Ochse, eine Kuh und ein Ferkel zum Schlachthof gebracht. Sie müssen bis Sonntag warten, weil am Sonntag eine große Lieferung mit Schweinen kommen wird. Der Tierarzt wird dann für die Lebendbeschauung und Notschlachtung da sein. Der Cheftierarzt macht am Sonntag gerne Dienst. Das ist für ihn eine gute Gelegenheit von Zuhause abzuhauen, um im Schlachthof zu saufen. Zu Hause kann er nicht saufen, weil er Angst vor seiner Frau hat. Im Schlachthof findet er Gesellschaft und er braucht für den Alkohol nichts zu bezahlen. Sonntag früh wird ein Pferd gebracht. Seine beiden Beine sind bei einem riskanten Sprung gebrochen. Es hat starke Schmerzen, denn es hat keine Schmerzmittel bekommen. Die Kuh, der Ochse und das Ferkel haben von Freitagnachmittag bis Sonntag weder Futter noch Wasser bekommen. Sie sind sehr durstig und haben Hunger. Es ist seltsam ruhig im Stall, und eine schwere, drückende Stille liegt über allem. Nur ab und an hört man ein Rascheln und irgendwo schlägt gerade eine Tür zu, als der Ochse sagt:



Ochse:

„Lasst uns miteinander sprechen, so dass wir unser Leid ein bisschen vergessen können“.



Kuh:

„Warum machen die Menschen das mit uns? Warum geben sie uns weder Futter noch Wasser? Warum halten sie sich nicht an die Vorschriften? Warum machen die Tierschützer keine Kontrolle?“



Ochse:

„Heute ist Sonntag, gestern war Sonnabend und beide Tage sind Ruhetage. An Ruhetagen haben die Tierschützer keinen Dienst und sie machen andere schöne Sachen. Tierschützer sind doch nur für Hunde und Katzen und so, außerdem sind sie gegen die Macht des Geldes wehrlos“.



Katze lacht:

„Ha, ha, ha, die Tierschützer helfen uns? Ha, ha, ha. Die wollen uns kastrieren, unsere Natur verändern und die schönste Sache in unserem Leben vermeiden. Was für ein tolles Gefühl ist es, wenn ich rollig bin und Hunderte von Katern hinter mir her sind. Ich kann mir aussuchen, mit welchen Katern ich mich paaren möchte. Es ist ein sehr schönes Gefühl für die Katzen dominant zu sein. Die Kater spielen in unserem Leben nur eine Nebenrolle. Sie sind nur zur Paarung da. Aber wir sorgen für Nachwuchs und erziehen ihn.

Katze voller stolz:

„Wir sind Lebenskünstler. Wir sind die große Schule.“



Ochse sagt:

„Aber es gibt zu viele Katzen.“



Katze:

„Es gibt bessere Methoden. Zum Beispiel die Pille, und nur alle drei Jahre bekommen wir Nachwuchs.“



Kuh:

„Die Bauern geben doch kein Geld für die Katzen aus und die Pille ist teuer. Die Bauern wollen nur, dass Katzen die Mäuse und Ratten fangen, dafür bekommen sie mal eine kleine Schüssel Milch und wenn die Katzen krank werden, helfen sie ihnen nicht. Sie lassen sie einfach sterben.“



Ochse:

„Das heißt, die Bauern sind das Problem und nicht die Katzen. Ich glaube, es ist besser für die Menschen, wenn sie von den Katzen lernen.“



Katze:

„Danke! Doch der Mensch ist neidisch auf uns, weil wir uns verstehen und respektieren. Die Frau, mit der ich gelebt habe, wollte mich kastrieren. Ich dachte, sie wäre eine gute Freundin für mich. Ich habe sie als große Katze gesehen. Und was wollte sie? Mich kastrieren. Es war unglaublich! Sie sperrte mich in einen kleinen Käfig und brachte mich zu einem Tierarzt. Sie sagte zu ihm, sie würde es nicht mehr aushalten, wenn ich rollig wäre, ich würde schreien, auf die Blumen springen und alles kaputt machen. Ich wollte nur raus zu den Katern, die sich draußen sammelten und ihre Duftmarken setzten. Die Frau erzählte, es würde stinken wie die Pest und dass sie mich deshalb, sobald wie möglich, kastrieren lassen wolle. Der Tierarzt hat sich gefreut. Hat er Komplexe, oder was?“



Ochse:

„Er hat sich über das Geld gefreut.“



Katze erbost:

„Und ich dachte, die Tierärzte helfen uns.“



Ochse:

„Manche ja.“



Katze:

„Kannst du dir vorstellen, was diese Frau jede Nacht macht? Es kommt ein Mann nach dem anderen. Sie ist das ganze Jahr rollig. Ich aber nur zweimal im Jahr. Darum habe ich gedacht, sie hätte Verständnis für mich.“



Ochse:

„Der Mensch hat nur Verständnis für sich selbst, aber auf die anderen ist er neidisch. Das Leben mit den Menschen ist scheiße, man.“



Ferkel:

„Ich habe Hunger, ich möchte trinken und ich habe Angst!“



Katze zum Ochsen:

„Hast du mich richtig verstanden?“



Ochse:

„Natürlich“, antwortet der Ochse.



Katze:

„Ich habe gedacht du würdest mich nicht verstehen, weil du ein Ochse bist. Ha, ha, ha.“



Ochse:

„Du bist frech.“



Kuh mahnend:

„Bitte habe Respekt. Er ist unschuldig. Der Mensch hat ihn kastriert und sie haben aus ihm einen Ochsen gemacht. Sicher wäre er ein sehr toller Bulle geworden!“



Ochse:

„Das Leben mit den Menschen ist scheiße, Mann.“



Kuh:

„Der arme Ochse musste sich sein ganzes Leben lang mästen und endlos langweilen, ohne Spaß und nun wird er geschlachtet.“



Ochse:

„Ich freue mich auf den Tod. Das Leben mit den Menschen ist schei ...“



Kuh unterbricht ihn:

„Jedes Wochenende wird er hierher gebracht, aber kein Metzger möchte ihn kaufen, weil er sehr alt ist und sein Fleisch schwer zu verkaufen ist. Sein Fleisch ist nur noch gut für Hundefutter und deshalb muss er warten, bis ein Tierfutterhändler ihn kauft und schlachtet.“



Ochse:

„Es ist mir scheißegal, ob sie mein Fleisch den Hunden oder den Menschen geben. Hauptsache ich sterbe. Das Warten auf den Tod ist schlimmer als der Tod selbst. Der Tod wird mich von dem Leid und den Schmerzen befreien. Das Leben mit den Menschen ist scheiße, Mann.“



Ferkel weinend:

„Ich habe Angst vor dem Tod, ich möchte leben. Ich will zu meiner Mutter.“



Ochse zur Katze: „Wie geht deine Geschichte weiter?“



Fortsetzung folgt


 

 

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